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12.10.2019 Samstag  Medizinischer Notfall auf einem Kreuzfahrtschiff: Wie kommt der Patient sicher an Land?

Fotos: DLRG OG Stade/ Knut Hauschildt

Ein verhängnisvoller Sturz, lebensbedrohliche Erkrankung oder Verdacht auf einen Schlaganfall - nicht selten kommt es vor, dass Passagiere von Bord eines Kreuzfahrtschiffes geholt und auf schnellstem Weg in ein Krankenhaus gebracht werden müssen. Die DLRG Ortsgruppe Stade hatte in diesem Jahr bereits vier solcher Fälle - zuletzt im Oktober auf der “AIDA Perla”, im Juli auf der „AIDA Sol“ sowie im Mai auf der „AIDA Luna“ und der „Mein Schiff 5“. Die Einsatzkräfte handeln schnell und routiniert, trotzdem birgt jeder medizinische Transport auch Gefahren.

Wind und Wetter sowie die Geschwindigkeit des Schiffes spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Zwar können Kreuzfahrtschiffe deutlich langsamer fahren, komplett stoppen allerdings nicht. Um hier einen sicheren Einsatz zu gewährleisten, ist viel Kommunikation unter den beteiligten Einsatzkräften notwendig. „Jeder muss wissen, was der nächste Schritt ist und keiner darf unüberlegt handeln“, betont Christian Schaarschmidt, erster Vorsitzender der Ortsgruppe Stade. Die Ortsgruppe war in den letzten Jahren bei über 20 spektakulären medizinischen Notfällen beteiligt. Seit 2011 - in diesem Jahr wurde die Alarm- und Ausrückordnung des Landkreises Stade erneuert - ist sie gemeinsam mit der Stader Feuerwehr für medizinische Notfälle im gesamten Bereich zwischen der Hamburger Landesgrenze und Brunsbüttel verantwortlich. So gab es allein in den letzten sieben Jahren zwölf medizinische Notfälle auf dem Wasser, bei denen es für die Patienten um Leben und Tod ging, sechs davon auf einem Kreuzfahrtschiff. „Trotzdem gleicht kein Einsatz dem anderen“, warnt er.

Bei medizinischen Einsätzen auf dem Wasser (Berufsschifffahrt, Kreuzfahrer, Sportboot, usw.) werden die Einsatzkräfte der Stader DLRG, Feuerwehr, Notarzt und Rettungsdienst (meist DRK) alarmiert. Der Vorteil: Sowohl die DLRG als auch die Feuerwehr verfügen in Stade über geschlossene Boote, Patienten können so sicher im Innenraum transportiert und bestmöglich versorgt werden. Diese werden idealerweise mit jeweils vier Einsatzkräften von Feuerwehr oder DLRG besetzt. „Feuerwehr und DLRG kümmern sich um Transport und Logistik, Rettungsdienst und Notarzt um die Patientenversorgung“, erklärt Schaarschmidt die Arbeitsteilung. „Wobei die Besatzungen von Feuerwehr und DLRG immer als Team agieren“, betont er. Gerade auf der Elbe herrsche hochfrequenter Schiffsverkehr, so die Erfahrung des Vorsitzenden, wodurch Vorsicht geboten sei - auch das Gewässer selbst sei nicht zu unterschätzen. Winde und Tide führen zu erheblicher Wellenbildung. Um unter diesen Bedingungen sicher helfen zu können, ist neben der Schutzausrüstung - die Einsatzkräfte tragen stets eine automatische Rettungsweste und Sicherheitsschuhe, bei Bedarf auch Helm und Handschuhe, in der kalten Saison sogar Überlebensanzüge - einer guten Ausbildung sowie robustem Material auch viel Kommunikation unter den Beteiligten notwendig. „Jeder muss wissen, was der nächste Schritt ist und keiner darf unüberlegt agieren“, sagt der 42-Jährige. Trotzdem gebe es keine Möglichkeit solch einen Transport bis ins Detail zu üben, zu unterschiedlich seien die Gegebenheiten an Bord der Schiffe.

Im Schnitt vergehen nach der Alarmierung weniger als zehn Minuten, bis die Boote besetzt sind und von der vereinbarten Übernahmestelle mit dem Rettungsdienst und Notarzt zum Einsatzort ausrücken. Parallel wird ein drittes Boot zur Absicherung und Erstversorgung besetzt und rückt unabhängig aus. Bei Einsätzen auf größeren Schiffen wird bereits auf der Anfahrt das Manöver mit der Schiffsführung über Seefunk abgestimmt. Hierbei gilt es für das Schiff die Fahrt möglichst weit zu reduzieren, ohne dabei selber manövrierunfähig zu werden, erklärt der erfahrene Bootsführer. In Abhängigkeit von Windrichtung und Wellengang wird dann möglichst eine Übergabe auf der windabgewandten Seite angestrebt. Bei reduzierter Fahrt geht das Motorrettungsboot längsseits und übergibt die Rettungsdienstbesatzung bzw. den Notarzt und einen Teil der eigenen Besatzung auf das Schiff. Im Vergleich zu Schiffen der Berufsschifffahrt sei das bei Kreuzfahrtschiffen noch relativ einfach, erzählt Schaarschmidt. Dort gebe es oftmals nur eine Lotsenluke, die deutlich höher liegt und nur über eine entsprechende Lotsenleiter erreichbar ist. Die gleiche Prozedur wird mit dem zweiten Boot durchgeführt, um den restlichen Teil des medizinischen Personals zu übergeben. „Die Herausforderung liegt in der Organisation des Übergabemanövers“, so Schaarschmidt. Hinzu kommt, dass Notarzt und Rettungsdienstbesatzung eher selten auf Schiffen agieren und sich entsprechend unsicher bei diesen Manövern fühlen. Klare Anweisungen und bestmögliche Unterstützung und Absicherung durch die Helfer sind in diesen Fällen unumgänglich.

Sind Rettungsdienst/Notarzt und Patient zusammengebracht, beginnt für die Kräfte der DLRG die Organisation des Transport, dieser erfolgt in der Regel über die Ausbootluke, in manchen Fällen sei allerdings auch ein Abseilen des Patienten notwendig. Hinzukommt bei Kreuzfahrtschiffen, dass oft nicht nur der Betroffene selbst, sondern auch Angehörige und Gepäck mit von Bord geholt werden müssen, hier ist neben der Patientenversorgung - gerade beim schlechten Zustand - oftmals auch eine umfangreiche Betreuung der Angehörigen notwendig. 

Am Übernahmeort stehen sowohl RTW als auch das Fahrzeug des Notarztes bereit. Zusätzliche Einsatzkräfte an Land unterstützen bei der Übergabe und schirmen den Patienten gegebenenfalls gegen Gaffer ab. Ab hier endet die Aufgabe für die Helfer von DLRG und Feuerwehr. Der Patient wird vom Rettungsdienst ins nahegelegene Elbe Klinikum Stade gebracht.

Kategorie(n)
Pressemitteilung, news

Von: Carina-Chantal Krämer

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