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19.09.2017 Dienstag Interview zur erfolgreichen Reanimation beim (zweiten) Sanitätsdienst

Finn (15, Sanitätshelfer), Anna (17, Sanitätshelferin), Julian (20, Sanitäter), Leandra (23, Rettungssanitäterin in der Ausbildung zur Notfallsanitäterin) und Tristan (19, Sanitäter)

Beitrag im Lebensretter

Der Platz für diese Geschichte reichte im Vereinsorgan "Lebensretter" nicht aus. Helfer der Ortsgruppe Obernkirchen retteten bei einem Schützenumzug einem Mann das Leben. Später haben sie ihn übrigens besucht. Hier das Interview:

LR: Wie lange macht ihr schon Sanitätsdienst bei der DLRG?
Julian (20): Schon einige Jahre.
Leandra (23): Seit 2012 – da habe ich mit Julian die Sanitätsausbildung gemacht.
Tristan (19): Seit einigen Jahren.
Finn (15): „Es war erst mein zweiter Dienst, nachdem ich erst im Frühjahr meine Ausbildung zum Sanitätshelfer gemacht habe.“
Anna (17): „Ich bin schon ein paar Mal bei Einsätzen als Ersthelferin dabei gewesen, habe aber wie Finn erst im Frühjahr die SAN-Helfer-Ausbildung gemacht.“

LR: Julian, du warst mit Anna im zweiten Fußtrupp und als erster beim kollabierten Patienten. Wie war das für dich?
Julian: Aufregend. Es war erst mal komisch. Also wir dachten, es wäre jemand umgefallen, also stabile Seitenlage, warten bis er wieder ansprechbar ist und fertig. Man überlegt auf dem Weg zum Patienten „Was könnte es sein? Was macht man?“ Wenn man dann da ist, handelt man nur noch nach dem Schema, das wir in der Ausbildung gelernt haben.

LR: Anna, wie hast du die Situation erlebt?
Anna: Es kam ein Mann auf uns zu und hat uns berichtet, dass jemand umgekippt sei. Da habe ich erst mal noch nicht mit etwas total Schlimmem gerechnet. Wir sind direkt losgelaufen – es war ja nicht so weit. Dann war es erstmal schon eine bis dato nie dagewesene Situation.
 

LR: Julian hat dann angefangen den Patienten zu behandeln. Was hast du gemacht?
Anna: Ich habe den Beatmungsbeutel vorbereitet und das Sakko und das Hemd aufgeschnitten. Dann habe ich bei der Feuerwehr den Notruf abgesetzt.
 

LR: Inwiefern haben euch die Ausbildung in Erster Hilfe und die Sanitätsausbildung geholfen, richtig zu reagieren?
Julian: Mit dem Wissen aus den Ausbildungen kann man solche Situationen schon bewältigen.
Anna: Also ich war schon froh, dass Julian dabei war.
 

LR: Leandra, du bist die „Seniorin“ in der Gruppe gewesen und hast durch deinen Beruf im Rettungsdienst einige Vorerfahrung mit solchen Fällen. Wie war die Situation für dich?
Leandra: Wir waren ja anfangs gar nicht da und wurden erst von Feuerwehr abgeholt. Da war uns noch gar nicht klar, was vorgefallen ist. Erst hieß es, dass die Kollegen das Material bräuchten und ich habe mich gefreut, dass ich den Berg nicht wieder hochlaufen muss. Dann allerdings fiel mir auf, dass wir mit Alarm und auch ziemlich schnell gefahren wurden. Als wir ankamen war Julian schon bei der Reanimation. Er hat mich kurz in die Situation eingewiesen und während Anna weiter Material vorbereitete, habe ich die Position des Kopfhelfers übernommen.
Ich bin ja auch noch in der Ausbildung, was bedeutet, dass ich zwar schon seit knapp 5 Jahren Rettungssanitäterin bin und auch als Zweitkraft auf dem RTW sitze und auch normal mit in Einsätze fahre. Aber eben nur als zweite Helferin, also ich habe immer einen Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter auf dem Auto, der Chef für den Einsatz ist und das dieser Rückhalt erstmal nicht da war, war schon neu, zumal bei so einer Situation. Ungewohnt war dabei auch, dass das Material eben nicht so zur Verfügung stand wie ich es aus dem Rettungsdienst gewohnt bin.
 

LR: Finn, du bist der jüngste in der Gruppe und es war erst dein zweiter Einsatz beim Sanitätsdienst. Wie hast du die Situation wahrgenommen und was war deine Aufgabe?
Finn: Ich war mit Leandra in der ersten Gruppe und wurde auch von der Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene abgeholt. Als wir ankamen war Julian schon dabei und Leandra hat direkt am Kopf geholfen. Tristan und ich haben dann Anna geholfen die Sachen bereit zu legen und vorzubereiten. Ich habe selbst nicht am Patienten gearbeitet. Als der Rettungsdienst kam, hat mir der Notarzt den Infusionsbeutel in die Hand gedrückt. Somit habe ich den kompletten Ablauf beobachtet.
 

LR: Tristan, wie war es bei dir?
Tristan: Es waren schon reichlich Helfer im Einsatz, so dass ich im Hintergrund Materialien aus unserem Einsatzkoffer vorbereitet habe. Diese wurden vom Rettungsdienst auch zum größten Teil verwendet. 
 

LR: Was habt ihr gemacht, nachdem der Patient vom Rettungsdienst abgeholt wurde?
Alle: Aufgeräumt. Komisch geguckt…
Finn: Wir haben beim Rettungsdienst noch neue Handschuhe geschnorrt, da viele von unseren Sachen, unter anderem auch die Handschuhe, aufgebraucht waren. Danach sind wir wieder zum Fest gegangen – wir hatten ja weiter Dienst.
Leandra: Wir haben uns dann erstmal ein paar Minuten beiseite gestellt und schon eine kurze Nachbesprechung gemacht.
 

LR: Wie ging es euch direkt danach?
Finn: Heftig.
Tristan: War ok – mir ging es gut.
Anna: Ich glaub ich hatte das noch nicht richtig realisiert. Abends danach und am nächsten Tag musste ich das schon noch verarbeiten. Aber erstmal war es…  – also, dass man das so erlebt hatte…
Finn: … also, dass man das jetzt mal so erlebt hat, wovon man die ganze Zeit in den Kursen geredet hat und wovon man eigentlich gehofft hat, dass man es nicht erleben muss, aber man darauf vorbereitet war. Es ist schon eine Erfahrung, die man eigentlich nicht haben möchte.
Leandra: Der Einsatz selber war für mich in Anführungsstrichen nicht so besonders, da ich solche Situationen häufiger erlebe. Es war eher diese Situation, die ich eher aus der Schule kenne, dass ich jetzt für eine ordentliche Nachbereitung sorgen muss. Bislang war das eher so, dass ich immer die jüngste war und beim Dienst natürlich eher nicht der Ansprechpartner für die älteren Kollegen, wenn sie ihre Einsatzerfahrungen loswerden wollen. Jetzt war ich aber als „Seniorin“ der Gruppe irgendwie auch in der Verantwortung die weiteren Schritte einzuleiten.
 

LR: Wie sah die Nachbereitung aus?
Leandra: Im ersten Moment haben wir direkt vor Ort einmal zusammengestanden und uns Zeit genommen, so dass jeder einmal die Möglichkeit hatte seine Eindrücke loszuwerden.
Julian: Ich fand es wichtig, dass wir darüber gesprochen haben wie unser Vorgehen so war und wie es gelaufen ist – wobei sich aus unserer Sicht erstmal bestätigt hat, dass wir eigentlich alles richtig gemacht haben. Das hat gut getan.
Leandra: Danach ging es dann weiter. Ich habe mit Detmar über einen Seelsorger nachgedacht und dann über die Kommunikation mit der Leitstelle einen Kontakt hergestellt. Abends haben wir, nachdem alle ein paar Stunden Zeit hatten nachzudenken, noch eine Nachbesprechung gemacht. Bei dieser war erst für etwa 20 Minuten eine Seelsorgerin dabei und anschließend haben wir uns noch einmal einige Zeit über alles unterhalten. Und dann nach einigen Tagen noch einmal. Dabei geht es vor allem darum, dass alle auf sich und die anderen Achten und mögliche Veränderungen im Verhalten feststellen. Dies könnte darauf hindeuten, dass es Schwierigkeiten mit der Verarbeitung gibt.
Detmar: Julian war zum Beispiel am folgenden Tag schon ernster und nachdenklicher als Normalerweise. Heute ca. 2 Wochen nach dem Dienst scheint er aber wieder der alte zu sein, locker wie immer.


LR: Detmar, du bist in der Ortsgruppe der Technische Leiter Einsatz und damit verantwortlich für die Sanitäter und deren Einsätze. Wie bewertest du den Einsatz?
Detmar: „Ich war an dem Tag nicht im Einsatz und bin somit auf die Berichte meiner Einsatzkräfte und der anderen Beteiligten angewiesen. Demnach ist aber alles in allem sehr gut verlaufen. Man muss, wenn man einen Sanitätsdienst anbietet, natürlich immer mit dem Schlimmsten rechnen, auch wenn wie bei uns jahrelang bei den Diensten nur wenige kleine Hilfeleistungen notwendig waren. Wie gut es letztlich klappt wenn es soweit ist, zeigt sich erst dann.
Es hat sich bewiesen, dass die Ausbildungen, wenn es darauf ankommt, greifen und die Helfer in die Lage versetzen, richtig zu reagieren. Dafür auch ein Dank an unsere befreundeten Nachbarortsgruppen die die Sanitätsausbildungen durchführen.
Für den Einsatz gab es von allen Seiten viel Lob, vom Veranstalter, der Feuerwehr und anderen, die die Situation beobachteten. Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und deren Reaktion war eine große Hilfe und wir freuen uns, dass alles so gut ausgegangen ist.“

Kategorie(n)
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Von: Nico Reiners

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