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18.06.2018 Montag Wachtagebuch von Daniel Langen

Wachtagebuch von Daniel Langen

Hier bin ich also – Lebensretter im Auftrag der DLRG. Was heißt im Auftrag? Ich bin freiwillig hier! Aus dem Hallenbad in den Ernst des Lebens! Jetzt mal ehrlich, das war ein komisches Gefühl um 8:00 Uhr am Strand zu stehen, die ersten Badegäste sind schon im Wasser, Flagge gehisst, blauer Himmel mit ein paar Wölkchen, eine seicht warme Briese vom Meer landaufwärts, die Nordsee hat 18°, eigentlich gutes Badewetter. An meiner Seite die erfahrene Mareike, und dennoch die erste Wachstunde meines Lebens! Was ist wenn was passiert? "Du hast doch jahrelang so eine Situation trainiert, nur für dich und die Wettkämpfe!" Recht hat sie. Und schon hatte ich auch gleich meinen ersten Hilfeeinsatz. Es kam ein Badegast auf mich zu: "Ich habe mir einen fiesen Splitter aus dem Fuß gezogen. Haben Sie etwas zum Reinigen der Wunde da?" Logisch. Ich habe die Wunde gereinigt und mit Verbandsmaterial versorgt. Die Patientin wollte wirklich mit offener Wunde über den sandigen Weg zurück ins Dorf Spiekeroog.

Heute erfuhr ich von Jasper und Wilko, dass oft Badegäste beim Spazierengehen auf einer Sandbank stranden, oder auf Luftmatratzen der Strömung und dem Wind zum Opfer fallen. Dabei kommt regelmäßig das Rettungsboot zum Einsatz.

Heute war mehr im Wasser los. Bei der #Aufsicht unten am #Strand haben wir drei den #Blick ständig auf das Wasser gerichtet und gucken nach unseren Schäfchen. "Einen #Ertrinkenden selbst bei kleinen #Wellen rechtzeitig zu erkennen ist schwierig!" sage ich zu Wilko. "Auf jeden Fall! Wenn dann jemand winkt (beide Hände erhoben und winkend verstehen wir Rettungsschwimmer als #SOS), kommt der #Adrenalin-Kick, bis man realisiert, dass hinter einem seine Familie zurück winkt!" #falscher_Alarm! Ich nehme das #Funkgerät mit und stelle fest, wie gut der Überblick vom #Wachturm ist. Zwei mit Funkgerät und Gurtretter am Strand für die Soforthilfe, einer mit Funkgeräte für den Überblick im Turm!

Der dritte Wacheinsatz geht vorüber und Routine kommt auf. Wilko, Jasper und ich haben noch eine Übungsfahrt mit dem Boot gemacht!

Ich merke deutlich, dass sich die #Gezeiten jeden Tag um ca. ne halbe Stunde nach hinten verschieben. Für die Urlauber bedeutet das eine spätere #Badezeit, und mehr Zeit für das Frühstück. Denn geschwommen wird bei #Flut!

Das versteht man erst, wenn man das abfließende Wasser sieht, dass in "Bächen" zwischen den Sandbänken, sogenannte #Priele, mit starker Strömung ins #Meer zurück fließt. Und das setzt nach dem #Hochwasser mit der #Ebbe ein. Da möchte ich nicht reinkommen! Scheinbar einer der häufigsten Einsatzarten, neben der #Wundversorgung.

Ansonsten habe ich heute die Badezone abgeschwommen: einmal meinen Aufsichtsbereich kennen lernen. Dabei habe ich auch die #Wassertemperatur gemessen. Entweder das #Thermometer ist kaputt oder das Wasser hat #21°C! Einige Menschen #sonnenbaden am #Strand, so dass auch bei mir sommerliche #Urlaubsstimmung aufkommt!

EDIT: Das Thermometer zeigt 26°C im #Wachturm, also doch nicht defekt!

Ansonsten durften wir heute einige Fragen beantworten: "Ist das #ehrenamtlich?" "Kommen Sie von der Insel?" "Bezahlen Sie die Unterkunft?" "Welche Qualifikation braucht man?" "Gibt es eine Altersgrenze?" "Was ist das #Rettungsschwimmabzeichen Silber?"

Mal sehen, ob ich mit meiner Familie heute noch #Wattwandern gehe, das #Niedrigwasser ist heute um 18:03, Zeit würde passen.

Vierter Wachtag! Wieder ein #falscher_Alarm! Ich bin wieder nach dem Wachwechsel auf Weg in das Dorf (natürlich in DLRG Klamotten): "Entschuldigen Sie, aber wir glauben jemanden da draußen in #Not gesehen zu haben! Vielleicht saß er auf einer #Sandbank fest." Mein Puls steigt, Nervosität kommt auf!

"Friederike, da könnte jemand in Seenot sein!" alarmiere ich meine erfahrene Wachkameradin!

Wir nehmen die Äußerung ernst! Friederike nimmt das #Fernglas und sucht mit der Tippgeberin die Meeresfläche ab. Ich nehme mir ein Fernglas und steige auf den #Wachturm. Voll mit #Adrenalin versuche ich irgendwas zu finden. "Da bewegt sich etwas... Eine Möwe, aber das andere?…" Fredericke hat auch geguckt und die Seetonne auf 320° ausgemacht, welche eine #Untiefe markiert. Eine häufige Verwechselung! Schön, dass andere auch wachsam sind. Ich gehe beruhigt zurück ins Dorf. Was für Erlebnisse!

Dabei dachte ich schon heute morgen den Höhepunkt erreicht zu haben. Wir stehen zu viert am Strand, da kommen nacheinander vier Schulklassen an den Strand. Gar nicht beruhigend, wenn man gehört hat, dass die Hälfte der Schüler vielleicht #Nichtschwimmer sind, weil die Kommunen kein Geld für Schwimmbäder (#Schwimmbadschließung) oder für Schwimmzeiten ausgeben können!

Die erste Klasse ist so ins Wasser gegangen. "Ob die Lehrer wohl wissen, dass einer von Ihnen mit im Wasser sein soll und alle Kinder zwischen Strand und Lehrer sein sollen?" fragt Jasper und bekommt seine Antwort: Nein! Denn alle drei Betreuer bleiben in voller Kleider am Strand.

Nur wer #Kleiderschwimmen mal gemacht hat weiß wie anstrengend das wird, wenn man ins Wasser muss!

Die anderen Lehrer sagen bescheid und verhalten sich #vorbildlich! Vielen Dank für die Anmeldung und die Wahrnehmung der #Aufsichtspflichten. Wir teilen uns auf, um alle Kinder im Blick zu behalten, das #Funkgerät in der Tasche.

Am Ende gehen die Klassen wieder. Schade, um eine #Rückmeldung oder Abmeldung hätten wir uns auch gefreut. Scheinbar noch alle da!

Fünfter Wachtag. Was für ein Wetter! Wilko und ich gehen schon im Regen zum Wachturm. :-( Der Horizont am Strand ist lila. Das wird wohl eine ruhige Badezeit! Denken wir zumindest!

Nach einer Stunde hört der Regen auf und die Sonne scheint sich zu zeigen. Einige gehen ins Wasser. Also verlassen wir den Turm und gehen runter an den Strand. Doch dann wird der Wind wird immer stärker und die Wellen höher! Anstatt dass die Leute aus dem Wasser gehen, kommen immer mehr hinzu. Und gerade die Älteren (40+) haben in den Wellen Spaß wie die Kinder! Einige gehen ohne Klamotten ins Wasser, weil sie keine Badesachen mit haben, aber sich den Spaß spontan nicht entgehen lassen wollen.

Während Friederike und Jasper am Ufer stehen bleiben, gehen Wilko und ich in die Wellen auf die nächste Sandbank. Zum Teil um näher bei den Badegästen zu sein, zum Teil weil das Wasser gefühlt sehr warm ist und in der Brandung stehen mehr Spaß macht.

Die Badegäste sammeln sich um uns herum, so dass wir sie gut im Blick behalten. Danke, ist sehr hilfreich für die Übersicht.

Wilko zieht sich einen Neoprenanzug an und beschließt noch weiter raus zu gehen, quasi der #Letztemann zu sein. Dabei muss er gar nicht so weit raus, weil die Gäste nur bis zur Hüfte reingehen. Sein Grinsen im Gesicht wird immer breiter!

Die Badezeit ist vorüber, und uns wird gedankt, dass wir so gut aufpassen! Meine Shorts und mein Pulli sind auch durchnässt. Friederike zieht den Windparker aus und hat auch schon einen Neo an. "Ich gehe jetzt auch noch mal rein zu Wilko. Wer kommt mit?" fragt sich mich. Ich zucke mit den Achseln. "Bin ich ein #Kind_des_Meeres? Ich suche mir auch noch einen Neo und wir sind zu dritt in den Wellen. Als Rettungsschwimmgruppe im Neo und Jasper oben im Turm können wir noch ein paar Minuten #Spaß haben bis die Ebbe einsetzt.

Auf dem Rückweg aus dem Wasser stelle ich fest, dass das Wasser der Wellen hinter uns auf den Strand gedrückt wird und seitlich abfließt. Da kommt natürlich viel Wasser zusammen, und dementsprechend auch eine hohe Fließgeschwindigkeit. Respekt, wie stark das ist. Auf 3m zum Strand werde ich 10m zur Seite weggespült. Das ist das gefährliche beim Baden bei Ebbe!

Alle drei sind sehr zufrieden wieder aus dem Wasser gekommen und der Bereitschaftsdienst fängt an.

Der wievielte Wachtag ist es noch gleich? Der sechste? Die Zeit vergeht so schnell. Wir freuen uns sehr, dass wir noch einen Tag dran hängen dürfen. In der Nebensaison gibt es nicht so viele #Wachgänger, da ist man scheinbar über jeden froh, der den Dienst übernimmt. Das kommt meiner Familie und mir sehr gelegen, um noch einen Tag auf #Spiekeroog genießenzu dürfen. Für uns ist klar, dass wiederholen wir, wieder in der Nebensaison, denn auf die Sommerferien sind wir noch nicht angewiesen!

Am Strand habe ich heute nichts Neues mehr erlebt. Wind und Wellen, seitliche Strömung und eine Menge Menschen, die ihren Spaß daran hatten.

Nach dem Dienst bin ich mit meiner Familie über die Insel gewandert. Und dabei sind wir auf unseren Wachkameraden Wilko gestoßen, der auf einem Bild signalisiert, dass die #Dünen nicht betreten werden dürfen. Eine Kampagne der Inselfotografin mit verschieden Personenkreisen (Polizei, Verwaltung, DLRG...), um die sensiblen Dünenbereich vor "wilden Urlaubern" zu schützen. Eine nette Idee!

Ansonsten gefällt meiner Frau und mir, wie gut wir aufgenommen werden, und wie leicht es war interessante Menschen mit ganz anderem Hintergrund in der Unterkunft kennenlernen zu dürfen. Wir sind vom Wachdienst begeistert! Ein schöner Urlaub.

Siebter Wachtag. Eigentlich wäre es heute schon nach Hause gegangen, aber ein Tag kommt noch dazu. Zum Glück. Wie schnell die Zeit vergeht!

Der Beginn der Badezeit hat sich von 8:00 Uhr am Samstag auf mittlerweile 12:00 Uhr verschoben.

Das Wetter ist auch heute windig. Dafür kommt man leicht ins Wasser, denn die #Nordsee ist wärmer als die Luft. Mittlerweile erkenne ich auch Personen wieder. Das schlechte Wetter ist also immer den gleichen Leuten egal. Einige haben immer noch kein Bikini Oberteil dabei. Scheinbar war kein #Badeurlaub geplant!

Wilko und Jasper haben ausnahmsweise Badeaufsicht vom Boot aus gemacht. Das war wohl eine schauklige, aber freudige Angelegenheit! Dabei mussten wir herausfinden, dass nun das zweite von vier #Funkgeräten den Geist aufgibt. Ausgerechnet jenes auf dem Boot. Ärgerlich... Das kann bis Saisonende wohl nicht so bleiben!

Meine Frau und meine Kinder haben den Wacheinsatz auch gut überstanden. Meine Familie hat den Urlaub auf der Insel sehr genossen: am Strand liegen, Sand buddeln, Wellen-springen, Inselausritt, ausschlafen, Frühstücksbuffet, das Spielhaus besuchen, an und in der Unterkunft mit Roller und Bobbycar spielen. Meine Stunden auf dem Wachturm wurden sinnvoll genutzt! Das freut mich sehr und gibt mir #Ruhe für den #Wachdienst. Die #DLRG #Ortsgruppe #Lamstedt sorgt gut für seine #Wachgänger. Schade nur, dass wir nur zwei Abende in der Gruppe gegrillt haben. Aber es gibt ja ein nächstes mal.

Heute habe ich noch die Fährtickets für morgen geholt, sowie meine Aufsichtszeiten am Strand mit Irmtraut von der Kurverwaltung verrechnet. Herzlichen Dank

Achter Wachtag, das letzte mal aufgeweichte Füße vom nassen Strand, dass letzte mal die #Schiffsglocke für die Badezeit läuten, dass letzte mal auf seine Schäfchen im Wasser achten... Wachwechsel! Jochen ist heute angereist.

Zeit die Gewinn- und Verlustrechnung aufzustellen!

Verpflichtung: Anwesenheitspflicht auf dem #Wachturm (2h pro Tag #Badezeit + einige Stunden Bereitschaft)

Menschen beim Baden zusehen, statt selber zu baden

Gelegentlich kalte, nasse und aufgeweichte Füße

Im Regen am und im Wasser zu stehen

Gewinn: freie Unterkunft

Freie Fährtickets

Eine Aufwandsentschädigung

Neue Menschen kennen gelernt zu haben (Jasper, Mareike, Wilko, Frederike, Lisa, Anselm)

Meine Familie sicher und unterhalten zu wissen

Hier und da ein Rabatt in den Geschäften der Insel zu bekommen

Die Erkenntnis, dass das #Training im #Ernstfall helfen würde

Im Urlaub angekommen zu sein am ersten Tag

Jeden Tag am #Strand gewesen zu sein, auch bei schlechtem Wetter

Jeden Tag im Wasser geschwommen zu sein (wenn die Luft kalt ist kommt man schneller rein :-p )

Mit dem #Motorboot auf der #Nordsee zu fahren

Tolle und interessante Geschichten über Erlebnisse bei der Wache gehört zu haben

Und vor allem das häufige "#Danke für das aufpassen, da hab ich mich sicher gefühlt!"

Eine wirkliche #Bereicherung fürs #Leben!

Nur das abgefallene Auge vom #Baumgesicht müssen die anderen noch anbringen. Da werde ich wohl noch mal nach #Spiekeroog müssen, um das zu kontrollieren!

Datei(en)
Wachtagebuch_Daniel_Langen.pdf (42.34 kB)
Kategorie(n)
WRD, news

Von: Nicola Dubacher

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