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DLRG-Helfer sagen Corona-Pandemie den Kampf an

Veröffentlicht: Freitag, 22.01.2021
Autor: Carina-Chantal Krämer
Beim Aufbau des Impfzentrums bot die Stader DLRG tatkräftige Unterstützung an.
So konnten eine Woche später schon die ersten Möbel transportiert werden. Fotos (2): DLRG Stade
Die Kameraden des DLRG Wasserrettungszuges Friesland unterzogen sich einer Schulung..
um als Kontaktnachverfolungsteam im Gesundheitsamt tätig zu werden. Fotos (2): DLRG Varel
Im Landkreis Nienburg sind die ersten Impfteams im Einsatz, darunter auch drei DLRG-Ortsgruppen. Foto: DRK Nienburg
Die Ehrenamtlichen und Ärzte arbeiten Hand in Hand, um eine zügige und effiziente Verabreichung des Impfstoffes zu erreichen. Foto: Marc Jaschke
Dass die andauernde Corona-Pandemie (Covid-19) keinen Stillstand bedeuten muss, stellten die DLRG-Gliederungen in Niedersachsen in den letzten Monaten mehrfach unter Beweis. So wurden Geschäftsstellen beispielsweise zu Logistikzentren umgebaut oder Einkaufsdienste für Risikogruppen eingerichtet. Ein Großteil der eigentlichen Aktivitäten der Wasserretter muss jedoch lange Zeit ruhen. Der Ausbildungs- und Wettkampfbetrieb fällt aus, Veranstaltungen werden abgesagt. Ein hartes Jahr für alle Beteiligten. Doch lassen sich die Ehrenamtlichen davon unterkriegen? Keineswegs - sie sagen der Pandemie umso mehr den Kampf an. Drei Mitglieder schildern, wie ihre Gliederungen dabei helfen, das Virus einzudämmen, sei es durch ihre Beteiligung am Aufbau eines Impfzentrums oder durch  die Gründung mobiler Kontaktnachverfolgungsteams (MKT) und Impfteams.
 
Seit dem Ausbruch der Pandemie unterstützt die DLRG im Bezirk Stade den Krisenstab des Landkreises. Im Frühjahr wurde mit stark steigenden Infektionszahlen gerechnet, lokale Krankenhäuser wären nach damaliger Prognose schnell vollständig ausgelastet gewesen. Für diesen Fall wurde vom Krisenstab geplant, kurzfristig eine ungenutzte Flüchtlingsunterkunft, ein Hotel oder ein Schulungszentrum zu einem Behelfskrankenhaus umzufunktionieren. „Für alle Ideen wäre die DLRG für die Logistik und den Aufbau der Krankenhäuser herangezogen worden“, erklärt Christian Schaarschmidt, 1. Vorsitzender der Ortsgruppe Stade. Als die Zahlen im Herbst wieder stiegen, unterzogen sich die  Kameraden der DLRG-Ortsgruppen Stade, Buxtehude, Horneburg-Altes Land und Harsefeld einer Schulung des Gesundheitsamtes, um im Buxtehuder „Abstrichzentrum“ bei der Anmeldung der zu testenden Personen, Dokumentation der Tests und Vorbereitung der Abstriche helfen zu können. „Da die Bundeswehr weitestgehend den Betrieb übernahm, wurden Helfer anderer Organisationen bisher nicht eingesetzt (…) sollten die Zahlen unerwartet steigen, sind wir aber vorbereitet und jederzeit unterstützungsbereit“, so Schaarschmidt weiter.
 
Ende des Jahres wurde der neue Impfstoff erwartet, sodass im Stader Ortsteil Ottenbeck kurzerhand ein Impfzentrum aufgebaut werden sollte. Auf dem Gelände der Firma Saertex wurde schnell eine geeignete Halle gefunden. Durch mehrere Impfstraßen sollte die Möglichkeit geschaffen werden, bis zu 1.000 Personen am Tag zu impfen. Die DLRG Stade erklärte sich direkt bereit, beim Aufbau zu unterstützen. Am 05. Dezember 2020 ging es los: Materialcontainer sollten aufgestellt und Trennwände verschraubt werden. Gemeinsam mit der Firma Hölting und dem THW halfen zehn Ehrenamtliche der Ortgruppe Stade beim Tragen, Bauen und Schrauben. „Fünf Tage später traten wir dann als Möbelpacker in Aktion“, sagt Schaarschmidt mit einem Schmunzeln. Mobiliar, wie Liegen, Tische und Stühle sollten von einem Außenlager der Elbekliniken in Ottenbeck zum Impfzentrum gebracht werden. Die Stader DLRG setzte dafür ihren Unimog sowie einen Ranger mit Anhänger ein. Die Horneburger Kameraden unterstützten mit einem Wechsellager. Zum 15. Dezember war das Zentrum schließlich betriebsbereit. Seit Anfang der Woche (Stand 07. Januar 2021) hat der Landkreis Stade mit mobilen Teams begonnen Bewohner und Personal in Alten- und Pflegeheimen zu impfen, später soll dann das Impfzentrum in Betrieb gehen. „Bei Bedarf kann die Halle auch noch erweitert werden“, erklärt der Vorsitzende. „Dann stehen wir natürlich gern wieder für Transport, Logistik und Infrastruktur bereit“. Bei der Anmeldung und Dokumentation zu unterstützen, wäre laut dem Vorsitzenden ebenso gut möglich. „Wir bieten da Hilfe an, wo wir helfen können“, fasst er zusammen. 
 
Auch die Kameraden der Ortsgruppen Bockhorn-Zetel, Schortens-Jever, Wangerland und Varel unterzogen sich einer Schulung des Gesundheitsamtes. Dabei ging es jedoch nicht um die Unterstützung in Abstrich- und Impfzentren, sondern viel eher noch um die Kontaktnachverfolgung.  Im September meldete sich der DLRG Wasserrettungszug Friesland freiwillig, mobile Kontaktnachverfolgungsteams kurz MKT - für das Land Niedersachsen aufzustellen, diese wurden in Folge aber vom Landkreis Friesland benötigt und seither auch dort eingesetzt.
 
Bereits Ende Oktober gingen den ehrenamtlichen Helfern die Unterlagen des Landkreises zum Selbststudium zu. Mitte November folgten weitere Präsenztermine in Varel und Jever. „Am Anfang war das ganz schön aufregend, wir lernten in kurzer Zeit viel über das Virus, die Maßnahmen und Abläufe in den Gesundheitsämtern. Schließlich sollten wir zeitnah gemeinsam mit den hauptamtlichen Mitarbeitern im Gesundheitsamt eingesetzt werden“, verrät Yasha Kube, Leiter Einsatz der DLRG Varel. Tatsächlich wurden die Ehrenamtlichen bereits am 21. November, zwei Tage nach der letzten Schulung, angefordert. Seither sind sie sieben Tage die Woche, bis zu zehn Stunden am Tag, im Einsatz. „So kommen schon 40 Telefonate am Tag zusammen“, sagt Kube. Zunächst wird der Index (erster positiver Fall) kontaktiert und recherchiert, mit welcher Person welcher Kontakt bestand. Dann werden die Erstkontakte informiert. Mittels vorgefertigtem Fragebogen gleichen die Kontaktnachverfolgungsteams die persönlichen Daten ab und erfragen Details zum Gesundheitszustand ab. Es erfolgt eine Einstufung in drei Kategorien, die weitere Maßnahmen einleitet. Je nach Einstufung wird eine mündliche Quarantäneanweisung ausgesprochen, die auch noch einmal schriftlich zugestellt wird. „Meistens reagieren die Personen mit Verständnis, jedoch nahm dieses Verständnis ab, wenn die Quarantäne über die Weihnachtsfeiertage ging“, so Kube weiter. Es sei sogar auch schon die Frage gestellt worden, ob die Quarantänezeit verkürzt werden könne. Bei Fragen und komplizierten Fällen hätten die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Friesland aber immer ein offenes Ohr für die ehrenamtlichen Helfer.
 
Mittlerweile befinden sich die mobilen Kontaktnachverfolgungsteams in der neunten Woche (Stand 14.01.2021) und alle Helfer waren bereits mehrere Tage im Einsatz. So kommt eine stolze Zahl von 1.200 ehrenamtlich geleisteten Stunden zusammen. Seit Anfang der Woche arbeiteten die Teams an einem neuen Arbeitsplatz mit deutlich mehr Fläche in der Nähe des Impfzentrums in Roffhausen. So könnten in Spitzenzeiten sogar bis zu acht Mitarbeiter gleichzeitig anstatt der ursprünglichen zwei eingesetzt werden.
 
Doch plant der Wasserrettungszug den Einsatz im Februar vorerst enden zu lassen, abhängig ist das von den weiteren Entwicklungen der Pandemie. Seit dem Start im November wurden die Helfer von ihren Arbeitgebern freigestellt, was sicherlich nicht über einen längeren Zeitraum angeboten werden könne, befürchtet Kube. Nichtsdestotrotz sei es eine interessante Erfahrung gewesen, einmal im Gesundheitsamt tätig zu werden, richtet er seine Worte dankend an die Mitarbeiter in Jever.
 
Im Landkreis Nienburg/Weser sind mobile Impfteams seit gut drei Wochen unterwegs (Stand 16.01.2021), um Alten- und Pflegeheime mit den Dosen zu versorgen. Dazu gehören - neben ASB, DRK und JUH  auch drei Ortsgruppen des DLRG-Bezirks Nienburg. Seit dem Start am 30.12. nehmen die DLRG-Ortsgruppen Uchte, Nienburg und Rehburg-Loccum die Aufgaben im Wechsel war. Je nach Verfügbarkeit fahren sie zwei bis drei Touren die Woche. „Es gibt einen Dienstplan vom Landkreis, an dem wir uns orientieren“, sagt Marc Jaschke, stellv. Leiter Einsatz im Landesverband Niedersachsen und Mitglieder der Ortsgruppe Rehburg-Loccum. Die freiwilligen Helfer können sich als Verwaltungshelfer oder als impfbefähigte Person eintragen lassen, je nachdem, welchen beruflichen Hintergrund sie mitbringen. Vervollständigt wird das Impfteam durch einen externen Arzt.
 
Dienstbeginn ist bereits früh am Morgen: Um sieben Uhr fährt das Team zum Impfzentrum des Landkreises Nienburg, um die Dosen abzuholen. „Natürlich gehört jeden Tag aufs Neue auch ein Corona-Test dazu“, so Jaschke weiter. Fällt dieser negativ aus, können die vom Impfzentrum fertig gepackten Materialien und der mobile Kühlschrank mit dem Impfstoff im Fahrzeug verladen und das erste Ziel angesteuert werden. Zur Orientierung gibt es eine Tourenmappe. Als gelernter Rettungsassistent durfte Jaschke seit „Tag eins“ die Impfdosen mit verabreichen. Die Reaktionen der Patienten beschreibt er als sehr positiv und dankbar: „Ein besonders schöner Moment war, als eine ältere Dame nach der Impfung zu mir sagte ‚Darauf möchte ich jetzt anstoßen! Darf ich mit einer anderen Bewohnerin schon ein Sektchen aufmachen?‘“Im Schnitt verabreichen die Dreierteams am Tag rund 100 Dosen. Der Spitzenwert lag bei 136 Dosen am Tag, dann waren die Helfer aber auch zu sechst, so Jaschke. Der Vorteil: Dadurch, dass Ehrenamtliche unterschiedlicher Hilfsorganisationen zusammenarbeiten, können die Teams je nach Bedarf auch gemischt oder aufgestockt werden. „Wir arbeiten da Schulter an Schulter“, betont er. Auch die hauptamtlichen Mitarbeiter des Impfzentrums unterstützen bei freien Kapazitäten.
 
Ende Januar sollen die ersten Patienten bereits ihre zweite Impfung erhalten. Der Dienstplan steht sogar schon bis Ende Februar. „Wir können also optimistisch sein, dass wir weiter so gut vorankommen“, sagt Jaschke mit Blick auf die kommenden Wochen. Abhängig ist das natürlich auch von der Verfügbarkeit der Impfdosen.
 

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